Freeridelehrgänge im SUPERSCHNEEJAHR 2019

Freeriden, was ist das? Warum abseits der Piste fahren? Wo lauern die Gefahren? Warum muss auf die Schneeverhältnisse achtgegeben werden? Pulverschnee ist Pulverschnee?

Jeder kennt die Bilder aus Filmen oder von Freunden. Skifahrer befahren unberührte Tiefschneehänge fern ab von Liftanlagen und Zivilisation. Freeriden sieht auf dem Bildschirm nicht nur super schön aus, sondern ist wie eine Droge. Nahezu jeder, der das einmal selbst erlebt durfte, sei es auf Lehrgängen beim Skiverband Bayerwald, beim DAV oder privat, der wird bestätigen, dass das Wechselspiel zwischen weichem Pulverschnee und der aufzunehmenden Kurvenkräfte in unberührter Winterlandschaft den Reiz ausmachen. Doch bevor du das alles machen kannst musst du einiges Wissen:

Drei Knackpunkte wurden schwerpunktmäßig bei den Freeridelehrgängen 2019 vermittelt wurden:

  • WIE? –> mit der richtigen Planung von Variantenabfahrten

Jeder der gezielt den perfekten Puderzucker und die unberührte Naturkulisse weit weg von der Zivilisation aufspüren möchte, zugleich jedoch wenig zu Fuß aufsteigen möchte und dazu Lifte nutz, der muss erstmal wissen, wo man denn solche Verhältnisse vorfinden kann. Alle die bei den diesjährigen Freeridelehrgängen dabei waren wissen nun, wie genial man Apps und das darin enthaltene Kartenmaterial für die Planung eines Freeridetages nutzen kann. Durch vorgeschlagene und vollständig durchgeplante Variantenabfahrten in Verbindung mit der GPS-gestützten Ortung kann man sehr einfach neues Terrain befahren. Zugleich wurde bei den Gruppenarbeiten auch oft klar, dass gerade die einfache Anwendung dieser Apps auch zu erheblichen Risiken führen kann, wenn der Anwender den nötigen Background in Sachen Lawinenkunde und Risikomanagement nicht besitzt.

  • SAVE? –> durch Now-How in der Lawinenkunde und im Risikomanagement

Durch die Anwendung einer App weiß man nun wo man wie runterfahren kann, doch was einem die App nicht sagt ist: Wie sicher oder gefährlich ist diese Abfahrt in Bezug auf die heutigen Bedingungen? Kann ich da einfach abfahren oder besteht heute bei dieser Variante erhöhte Lawinengefahr? Zum Abgleich der Situation mit dem tagesaktuellen Lawinenlagebericht analysierten die Ausbilder Sebastian Baumgartner, Franz Obermeier und Tobias Fürstberger zusammen mit den Teilnehmern die Schneedecke, welche sich tatsächlich während der Freeridelehränge aufgrund der stark schwankenden Klimaeinflüsse, täglich veränderte. Die gegrabenen Schneeprofile und durchgeführten Rutschtests zeigten sehr deutlich, wie heikel die Lawinensituation vor im Kammnahen Gelände war und dass die Voraussetzungen für eine Schneebrettlawine (gebundene Schneeschicht + Gleitschicht + Hangneigung >30°) tatsächlich gegeben waren. Es war folglich Zurückhaltung und ein taktisch überlegtes Befahren des Geländes gefragt. Doch auf bei großer Zurückhaltung bleibt ein minimal zu haltendes Restrisiko bestehen, weshalb beim Lehrgang auch ein Augenmerk auf dem Training der Verschüttetensuche lag. Dies wurde sowohl an den Abenden bei Theoriesequenzen als auch mehrmals im freien Gelände in der Praxis und bei spontanen, realitätsnahen Übungssituationen trainiert.

  • FUN? –> Pulverschnee + coole Leute + NaturPur

Stimmt die Vorbereitung auf einen Freeridetag, sind die Rahmenverhältnisse der gewählten Variantenabfahrten bei Lawinenwarnstufe 2 bis 3 sicher und die Teilnehmer aufgrund des frischen Pulverschnees und des Sonnenscheins gut drauf, so kann einer Gruppe grinsender Menschen beim zerfahren unverspurter Hänge in Hinterglemm + Fieberbrunn nichts mehr im Wege stehen. Nach mehrmaligen Schneefällen und vielen Sonnenstunden konnten die Gruppen alle Teilgebiete des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn verspuren und das Gebiet ohne einen Pistenkilometer abfahren. Die Freeridlehrgänge 2019 unter der Leitung von Tobias Fürstberger waren aufgrund der wechselnden Klimaverhältnisse, der eindrucksvollen Schneemassen und der sehr interessierten Teilnehmer wieder ein voller Erfolg. Das Ziel, die Teilnehmer auf dem Gebiet des Freeriden zu sensibilisieren und zu begeistern wurde absolut erreicht.

Im Speziellen stellte der Ausbilder Sebastian Baumgartner das System GripWalk vor. Durch die innovative Sohlenform wird das gehen mit Skischuhen deutlich komfortabler und sicherer. Tobias Fürstberger demonstrierte zudem die Funktionsweise eines ABS-Airbagrucksackes bei einer abendlichen Zündung des Systems und stellte die Überlebenswahrscheinlichkeitssteigernden Faktoren, welche das System mit sich bringt vor.

Wir freuen uns auf den nächsten Freeridelehrgang mit euch 😉